Raus zum 8. März – Gründe sind genug vorhanden

Hier unser Redebeitrag anlässlich des internationalen Frauen*Kampftags zum Nachlesen:

 

Das Problem heißt: Sexismus.

Antirassistischer Feminismus nach Köln

Die Silvesternacht in Köln ist noch immer in aller Munde und auch weiterhin in innerlinken Kreisen Gegenstand einer ausschweifenden Debatte.

Die massive sexualisierte Gewalt, die im öffentlichen Raum der Kölner Innenstadt stattfand und nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in den Nachrichten verhandelt und skandalisiert wurde, wurde, wie erwartet, von Rechtspopulist_innen vereinnahmt. Basierend auf der Annahme, dass es sich bei den Tätern um „Asylbewerber“ handelt, ließen sich die Ereignisse nahtlos in den angstvoll besetzten medialen Diskurs der „Flüchtlingsproblematik“ einfügen und als real eingetretene Erfüllung der ausufernden Ängste vor „den Anderen“ stilisieren. Die schon zuvor bei rechtskonservativen, Populist_Innen und Nazis beliebte Forderung, „kriminelle Ausländer“ sofort abzuschieben, bekam mit Rückgriff auf die sich seit der Silvesternacht vermeintlich endgültig offenbarende „ausländische Gefahr“ neuen Auftrieb und nun zusätzlich breite Unterstützung durch das gesamte Parteienspektrum hinweg. Was vorher unsagbar schien, wurde schlagartig zu einer angeblich legitimen, notwendigen Konsequenz. Der Verweis auf die schutzbedürftige deutsche Frau eignet(e) sich außerordentlich gut dafür, Vater Staat die nötige Handhabe für gesetzliche Verschärfungen in Form des sogenannten „Asylpaket III“ zu gewähren, die sich auch mit dem neu aufgeflammten konservativen „Humanismus“ der Kanzlerin vereinbaren lassen.

Psychologische Abwehrprozesse – oder wie plötzlich alle zu Feministen wurden 

Aus völkisch-rassistischer Sicht muss die (bio-)deutsche Frau vor dem „ausländischen Sexmob“ –  der in Form des Asylbewerbers ein deutliches Gesicht bekommt und durch den scheinbar unaufhaltsamen Flüchtlingsstrom zu einer diffusen, übermächtigen Masse verschwimmt – beschützt werden. Unter nationalistischem Vorzeichen erscheinen die Übergriffe an Silvester als Angriff auf die Verfügungsgewalt der deutschen Männer über die deutschen Frauen und somit als Angriff auf den deutschen Volkskörper. Den deutschen Volkskörper „retten“ wollte beispielsweise auch schon der für viele Deutsche anschlussfähige Thilo Sarrazin, der, biologistisch pseudo-wissenschaftlich, die Steigerung der Geburtenrate „bio-deutscher“ Kinder forderte. Der Zugriff auf unsere Körper soll männlich-weiß-deutsch bleiben. Vereint unter dem Dach dieses deutschen Chauvinismus kann mittels Projektion der eigene Sexismus auf ein anderes, „ausländisches“ Kollektiv verschoben und jeder zum vermeintlichen Frauenrechtler werden. Der Sexismus der „Anderen“ wird in derselben Denkbewegung ethnisiert und kulturalisiert, sodass aus dem Sexismus der Ausländer der Sexismus der Muslime wird, der spätestens jetzt als Notwehrhandlung bekämpft werden muss.

Diese Projektion fungiert als (spezifischer und keinesfalls unausweichlicher) Verarbeitungsmechanismus „gesellschaftlich induzierter persönlicher, angstauslösender Krisenlagen“ und kann sich dann sehr gut entfalten, wenn es, wie im Fall der Silvesternacht, möglich ist, ihn fragmentarisch an die Realität anzubinden. Die existenziellen eigenen Ängste können auf diese Weise abgespalten, einer „Fremdgruppe“ angeheftet und durch aggressive Bekämpfung derselben abgewehrt werden.

Die ökonomischen Krisenlagen, in der sich die spätkapitalistischen Gesellschaften befinden, sind einerseits einer der Gründe des massiven Rassismus gegenüber Asylbewerber_innen. Andererseits und zugleich hat die Wirtschaftskrise auch zu einer Krise der Männlichkeit geführt, denn mit dem Verschwinden der Aussicht auf eine sichere, lebenslange Erwerbsbiographie auch für Männer, droht ein existenzieller Stützpfeiler deutsch-männlicher Identitätsbildung wegzubrechen. Gemeinsam mit der Veränderung traditioneller Geschlechterrollenbilder und dem vermeintlich massenhaften Vorstoßen von Frauen in die öffentliche Sphäre vormals exklusiv männlicher Felder des Wettbewerbs, sieht sich der deutsche Mann bewusst und unbewusst mit einer erschütternden Gefährdung der männlichen Vormachtstellung konfrontiert.

Eine Studie der Sozialforscher_Innen Andres Zick und Beate Küpper von 2011 verdeutlicht die Widersprüchlichkeiten, in welche die Mehrheitsgesellschaften Europas verstrickt sind. So stimmen 76,1 % der Befragten der These zu, „die muslimischen Ansichten über Frauen widersprechen unseren Werten“, während gleichzeitig  52,7 % der Meinung sind, Frauen sollten „ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen“.

Der „Westen“ wird folglich zum Hort der Emanzipation und Frauenrechte imaginiert, während ein antifeministischer Rollback in Europa schon längst in vollem Gange ist. 

Die Ereignisse der Silvesternacht eignen sich in einer Verknüpfung von Rassismus und Sexismus dazu, die eigene innere Labilität und Identität zu stabilisieren. Während alltäglicher Sexismus verharmlost (wird) und sexuelle sowie sexualisierte Gewalt in Deutschland meist verschleiert wird (da sie überwiegend im privaten Raum stattfindet und die Rechtslage bei z.B. Vergewaltigungen für die Betroffenen noch immer höchst prekär ist),  kann der als „Sexmob“ stilisierte „ausländische“ Sexismus im öffentlichen Raum dazu dienen, sich der eigenen Männlichkeit zu versichern. Offensichtliche Bestätigung dieser These sind die sich überall bildenden „Bürgerwehren“ zum Schutz vor „Fremden“, die sich am deutschen Eigentum (ja, auch der Frau) vergehen wollen. Durch den Beweis der Hilflosigkeit der deutschen Frau kann sich der deutsche Mann wieder machtvoll und in beschützerischer Haltung über sie erheben und gleichzeitig aus „Notwehr“ in den Kampf gegen die „ausländischen Männer“ treten, um auch an dieser Front die hegemoniale Stellung, diesmal auf der Ebene Mann-gegen-Mann, in der Geschlechterhierarchie zu verteidigen und wieder zu verfestigen.

Auch Frauen haben im Bild des „unzivilisierten“, vermeintlich hoch potenten ausländischen bzw. muslimischen Mannes ihr Feindbild gefunden. AfD-Funktionärinnen Beatrix von Storch und Frauke Petry, Pegida Chefin Tatjana Festerling oder die Front National Vorsitzende Marine Le Pen ziehen ideologisch am gleichen Strang. Nicht zuletzt anhand ihrer Forderung nach einer Retraditionalisierung der Geschlechterrollen zeigt sich ihre internalisierte Misogynie.

article-2234063-160F8676000005DC-521_964x1440

Die Mär von den „unveränderlichen Kulturen“ und warum aus Angst vor Rassismus Sexismus nicht unkritisiert bleiben darf

Die sexualisierte und auch sexuelle Gewalt, die in Köln ausgeübt wurde, wird z.B. aus feministischer Perspektive immer wieder mit derjenigen verglichen, die an hiesigen Großereignissen wie dem Oktoberfest oder beim Karneval stattfindet. Das macht insofern Sinn als die mediale Kritik schnell auf den Zug aufgesprungen ist, sich in kulturalisierend-rassistischer Manier zu fragen, ob es eine generelle Unvereinbarkeit der „Kulturen“ gibt, die zu einer solch massiven Form der Gewalt geführt hat. Ganz offensichtlich handelt es sich auch bei dieser Annahme einer generellen „Unvereinbarkeit der Kulturen“ um eine Abwehrstrategie, die der „deutschen Kultur“ Zugehörige davor schützt, sich mit dem eigenen Unbewussten auseinanderzusetzen sowie die eigene „Kultur“ zu reflektieren.

Die Abwertung von Weiblichkeit und der Versuch, Kontrolle über die weibliche Sexualität auszuüben, sind laut dem Sozialpsychologen Rolf Pohl Grundkonflikte einer Gesellschaft, die durch hegemoniale Männlichkeit geprägt ist. Der Islam ist, übrigens genau wie das Christentum oder das Judentum, eine Religion mit männlichem Vorherrschaftsanspruch. Trotz dieser Gemeinsamkeit ist es wichtig, jeden religiösen Fundamentalismus und dessen Auswirkungen auf die psychische Verfasstheit der Anhänger_innen sowie das unter anderem daraus resultierende Geschlechterverhältnis in der jeweiligen Spezifik zu analysieren. 

Dies bedeutet jedoch nicht davon auszugehen, dass in jedem Subjekt eine „unveränderliche Kultur“ eingeschrieben ist, die voll und ganz auf eine bestimmte religiöse Zugehörigkeit zurückzuführen ist. Das In-eins-setzen von Herkunft, Kultur und Religion ist eine falsche Verknüpfung, die sowohl seitens Kulturrassist_Innen vorgenommen wird, wenn sie sexuelle Gewalt auf eine Religionszugehörigkeit reduzieren wollen, als auch seitens vermeintlich antirassistisch eingestellter Menschen, die Islamkritik per se als rassistisch empfinden, so als würde sich jedes Subjekt aus einer islamisch geprägten Gesellschaft automatisch voll und ganz mit der Religion des Islam identifizieren. Das Problem, welches bei der Verwendung eines statischen Kulturbegriffs entsteht, ist, dass ganzen Gesellschaften ein quasi natürlicher „Volkscharakter“ zugeschrieben wird, sodass  selbst radikale Linke, die sich dieses Denkmusters bedienen, sich weit von emanzipatorischer Gesellschaftskritik entfernen.

„Es geht uns nicht um Reformen, es geht uns um Emanzipation“

Angesichts der tausenden Toten im Mittelmeer, der Lage von Geflüchteten in Idomeni, erschossenen syrischen Flüchtlingen an der türkischen Grenze, pogromartigen Zuständen wie in Heidenau, unzähligen Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte (um nur ein paar Gründe zu nennen) ist der Wunsch nach einer Abwehr von kulturalistischen Erklärungen für die Vorfälle in Köln verständlich und auch richtig. Die Forderung nach offenen Grenzen und Bewegungsfreiheit für alle Menschen muss, gerade in Zeiten von erstarkendem Nationalismus, eine Forderung von antirassistischen Feminist_Innen bleiben. Unserer Meinung nach ist aber ein plumper Kulturrelativismus in jeglicher Form abzulehnen, da er den Kern des Problems verkennt und ein erneutes Verfangen in kulturellen Apologien die Folge ist. Wer die Parole „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ ernst nehmen will, muss Ideologien wie die des völkischen Nationalismus und des kulturalisierenden Rassismus angreifen, aber ebenso Religionen kritisieren, und somit auch den Islam. Dann, wenn Frauen*(körper) als Verfügungsgegenstände betrachtet werden oder als Objekte dem männlichen Subjekt zugehörig verstanden werden, wenn Männer als „Opfer“ angeblich weiblicher Verführung betrachtet werden, müssen wir intervenieren. Wir werden uns immer und überall gegen Fundamentalismus wehren, denn wir wollen nicht auf notwendige Kritik verzichten, auch dann nicht, wenn uns weiße Privilegien dafür angeblich disqualifizieren.

Es ergibt keinen Sinn, den hiesigen Sexismus als Entschuldigung für die patriarchalen Strukturen in anderen Gesellschaften und dessen Auswirkungen in unterschiedlicher Form in den  jeweiligen staatsangehörigen Subjekten heranzuziehen. Genausowenig ergibt es Sinn, verschiedene Ausprägungen der Unterdrückung von Frauen* gegeneinander aufzuwiegen. Sexismus, Homo- und Transphobie, das Patriarchat gilt es überall zu bekämpfen.  

Deshalb fordern wir: Grenzen abschaffen, Kapitalismus und Patriarchat überwinden. Gegen jeden religiösen Fundamentalismus. Für die befreite Gesellschaft, für einen antirassistischen Feminismus!

 

am 12.3. auf nach Köln oder Leipzig zu den bundesweiten Demos!

12748124_1667875010145445_6256688082547508482_o

 

 

 

 

12698563_962651500496579_7079237461669083369_o

Advertisements

Offener Brief der Fachgruppe Geschlechterforschung

Wir unterstützen die Forderungen der Fachgruppe Geschlechterforschung Göttingen.
Bitte teilt und unterschreibt den offenen Brief.
Verbinder und Verbinderinnen raus aus den Hörsälen!

Offener Brief An die Verantwortlichen des Genderlabors, Studierende und Interessierte

Anlass für diesen offenen Brief ist ein Anfang Januar 2016 geplanter Vortrag im Rahmen des Genderlabors.
Das Genderlabor ist eine Veranstaltungsreihe des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG) in Kooperation mit den Graduiertenschulen für Geistes- und Gesellschaftswissenschafte (GSGG und GGG), die dazu dienen soll, Forschungen der Gender Studies in Göttingen sichtbarer zu machen.
Wir wurden von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, dass einer der Vorträge von einem Mitglied der Göttinger Damenverbindung AV Parnassia gehalten werden soll.

Das kritisieren wir aufs Schärfste!

Die AV Parnassia steht – wie so viele Verbindungen – in einer antisemitischen Tradition: Sie beruft sich auf ihrer Homepage auf die Damenverbindung Elisabeth, die 1915 gegründet wurde. Diese bezog sich unter Anderem positiv auf das Deutsche Kaiserreich mit seinen Antisemitismusbewegungen. Da die Parnassia sich – wie fast alle Verbindungen – mit studentischen Traditionen brüstet, ist diese historische Tatsache nicht auszublenden. Sie arbeitet außerdem mit einer Studentenverbindung zusammen, die sich ausdrücklich nationalistisch präsentiert und die offensichtlich kein Problem damit hat, dass ihre Farben der Flagge des Deutschen Reiches nahe kommen.

Des Weiteren vertritt die AV Parnassia ein konservatives Geschlechterbild. Denn ihre Zusammenarbeit mit einer pflichtschlagenden Herrenverbindung, deren Werte geprägt sind von einer Orientierung an einer soldatischen Männlichkeit, die es unserer Ansicht nach endgültig zu überwinden gilt, sowie die enge Verbundenheit mit einer Damenverbindung, die sich auf heterosexistische Prinzipien beruft, zeugen für uns von einer mangelnden Reflektion von Geschlechtszuschreibungen und sprechen für die Unterstützung von traditionellen Geschlechterrollen. Dies hat mit den Ansprüchen einer Reflektion dieser Normen und Werte im Sinne der Geschlechterforschung nichts mehr gemein.

Wir betrachten die Geschlechterforschung mit all ihren feministischen Kämpfen als ein hochpolitisches Fach, dem das hierarchische, elitenfördernde und (hetero)sexistische Verbindungswesen konträr gegenübersteht. Kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin muss so viele politische Kämpfe führen und sich für seine Existenz der Art oft rechtfertigen wie die Geschlechterforschung. Somit liegt der politische Impetus der Disziplin auf der Hand und wird durch anti-feministische Anfeindungen gegenüber Lehrenden und Forschenden und die permanente Infragestellung der Wissenschaftlichkeit der Geschlechterforschung sichtbar. Fraglich ist, ob Menschen aus Zusammenhängen, die wir in keiner Weise als Teil dieser politischen Kämpfe verstehen, im Rahmen dieser politischen Wissenschaftsdisziplin Raum bekommen sollten.

Es geht hierbei nicht um die Kritik an wissenschaftlichen Inhalten oder um die Diffamierung von Einzelpersonen. Vielmehr kritisieren wir im Generellen die Zusammenarbeit mit studentischen Verbindungen und ihren Akteur*innen aufs Schärfste und lehnen diese folglich ausdrücklich ab.

Angebotene Einzelgespräche mit Verbinder*innen lehnen wir ab, da es uns eben um eine generelle Kritik am Verbindungswesen geht, um Strukturen mit regressiven Werten, und die Frage, wer im Kontext feministisch-emanzipativer Forschung Raum bekommen soll; nicht um individuelle Einzelpersonen, die sich für ihren Lebensbund mit einer Verbindung rechtfertigen.

Gespräche mit Delegierten des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG) waren für uns keineswegs zufriedenstellend. Unsere geäußerte Kritik und die Forderung nach einer Auseinandersetzung mit der Problematik führte aus unserer Sicht zu Abwehrreaktionen und unverhältnismäßigen Äußerungen, die vom Vorwurf einer massiven Hexenjagd bis zum Vorwurf fast faschistischen Vorgehens reichten. Die inhaltliche Auseinandersetzung der Verantwortlichen des Genderlabors mit der Thematik empfinden wir als unzureichend. Darüber hinaus wurden die inhaltlichen Kritikpunkte der Fachgruppe hinsichtlich der strukturellen Problematik von Verbindungen offenbar nicht wahrgenommen, weshalb die Gespräche schließlich in solche unsachlichen Unterstellungen mündeten.

Wir fordern hiermit eine öffentliche Stellungnahme des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG), der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen (GSGG), der Göttinger Graduiertenschule Gesellschaftswissenschaften (GGG), der Universität Göttingen sowie aller verantwortlichen Akteur*innen zur Thematik.
Gezeichnet
Fachgruppe Geschlechterforschung

Wir bitten Euch das Anliegen zu unterstützen und die Informationen weiterzutragen.

Link zum Brief: https://www.uni-goettingen.de/de/offener-brief/529183.html

Link zum Unterzeichnen: https://www.uni-goettingen.de/de/529179.html?v=n

„Mutter war besser als Du, sie war nicht so weibisch wie Du“

Scham & Geschlecht in Auseinandersetzungen von NS Täter_innennachkommen

Veranstaltung mit Dr. Konstanze Hanitzsch am 18.12.2015 um 19.30 im Kabale (Geismarlandstraße 19) im Rahmen des Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Die Gender- und Literaturwissenschaftlerin Konstanze Hanitzsch, Forschungskoordinatorin des Göttinger Zentrums für Geschlechterforschung und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen, ist Autorin des Buches „Deutsche Scham. Gender. Medien. Täterkinder“. Darin analysiert sie Texte und Dokumentarfilme von Nachkommen nationalsozialistischer TäterInnen im Hinblick auf die Bedeutung von Scham und geschlechtlichen Codierungen. In der Veranstaltung soll über dieses Buch gesprochen werden. Darüber hinaus möchte dieser Abend an die Lesung mit Niklas Frank aus dem letzten Zyklus des 27. Januar Bündnisses anknüpfen und hier eine kritische Diskussion von Franks Texten ermöglichen. Hanitzsch analysiert dessen Auseinandersetzung mit dem in Nürnberg hingerichteten Kriegsverbrecher Hans Frank vor dem Hintergrund der Verbindung von Scham und Geschlecht.

Der Eintritt ist frei.

Nazi-Übergriffe bei rassistischer Kundgebung in Heiligenstadt

Seit Wochen treffen sich im Eichsfelder Provinzest Heiligenstadt sonntäglich „besorgte BürgerInnen“ und Nazis unter dem Motto „Ein Licht für Deutschland“ und reihen sich damit in die sich harmlos gebenden, rassistischen „Anti-Asyl-Proteste“ ein. Im Internet ruft die Facebook-Seite „Das Eichsfeld wehrt sich- Asylflut stoppen“ zu den Aufmärschen auf.
Mehrere Male kam es dabei rund um die Veranstaltung zu Übergriffen und rechter Gewalt gegen antifaschistische Gegendemonstrant_Innen. Mehrmals wurde von Seiten der Gegendemonstrant_Innen berichtet, dass die Eichsfelder Polizei entweder untätig blieb, zu spät kam, sagte, Aktivist_Innen seien „selber Schuld“ an den Übergriffen oder dass gleich ganze Nazi-Grüppchen mit Quarzsandhandschuhen und Holzlatten „übersehen“ wurden.
Wir fragen uns: Ist die Eichsfelder Polizei schlicht inkompetent und überfordert mit den Nazi-Aktivitäten in ihrem Nest?
Oder besteht sogar ein Unwille, gegen Nazi-Gewalt vorzugehen?
Wir glauben nicht, dass der thrüringische Nazi-Knüppel-Cop in Gotha ein Gesinnungseinzelfall war. Wenn Polizeichef Marko Grose in Zukunft bessere Publicity bekommen möchte, wäre es an der Zeit, seine BeamtInnen aufzufordern, ab jetzt keine Nazi-Gewalttäter mehr zu schützen und den Vorwürfen nachzugehen, anstatt antifaschistisches Engagement zu kriminalisieren und mit Repression zu drohen!
Wir sind wütend darüber, dass unsere Genoss_Innen nur 20 Minuten ausserhalb von Göttingen von solchen Übergriffen betroffen sind Wir sind wütend darüber, dass diese RassistInnen überhaupt aufmarschieren können!
Das Eichsfeld hat nichts gegen Nazis?
Wir schon!
Am 13.12. auf nach Heiligenstadt – Raus aus der Komfortzone!
Entschlossen gegen Rassismus und rechte Gewalt!
Jeder Angriff ist ein Angriff auf uns alle!

Infos zur Demo gibts auf der Seite von Association Progrès und auf facebook.

Kein „Marsch für das Leben“ in Berlin!

banner_blog

…antifeministischem, homophobem und völkisch-nationalistischem Gedankengut entgegentreten.

Am 19.9.2015 ruft der „Bundesverband Lebensrecht“ (BVL) zum 13. Mal zum sogenannten „Marsch für das Leben“ in Berlin auf. 
Christliche FundamentalistInnen, die Neue-Rechte und Teile der bürgerlichen Mitte marschieren dort gegen Abtreibung, sexuelle Vielfalt und „Genderismus“. Ihr gemeinsamer Schnittpunkt ist ihre antifeministische, homophobe, völkisch-nationalistische, kurz: reaktionäre Ideologie. Auch aufgrund der wachsenden TeilnehmerInnenzahl des Marsches in Berlin sowie ähnlicher Märsche in ganz Europa, dürfen diese Veranstaltungen nicht unbeantwortet bleiben. Wir unterstützen deshalb den Aufruf des Berliner Bündnisses „Marsch für das Leben ? What the fuck!“, gegen die „LebensschützerInnen“ zu demonstrieren, sie zu sabotieren, sie zu blockieren.


Aufruf

„Marsch für das Leben“? – What the fuck!
Antifeminismus sabotieren! Für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren! Christliche FundamentalistInnen blockieren!

Dem Marsch, seinen AkteurInnen und ihrem Gedankengut entschlossen entgegentreten!
Für den 19. September 2015 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) wieder zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der Marsch ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“1 und verbindet eine breite reaktionäre, antifeministische und fundamentalistische Bewegung, die sich im Rahmen dieser jährlichen Veranstaltung kontinuierlich verfestigt. Betroffen von der Forderung des BVL nach einem generellen Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen sind vor allem Frauen_Lesben_Trans*_Inter* (kurz: FLTI*2). Ihre Möglichkeiten, darüber zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft austragen wollen oder nicht, sollen noch weiter eingeschränkt werden. Nicht zuletzt die wachsenden TeilnehmerInnenzahlen des Marsches, von der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft bis hin zu organisierten Neonazis, machen eine entschlossene Antwort notwendiger denn je. Wie in den vergangenen Jahren wollen wir die Abtreibungs-GegnerInnen nicht ungestört ihre antifeministischen und reaktionären Positionen verbreiten lassen! Wir werden für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren und anschließend den „Marsch für das Leben“ blockieren!

Sexualität nur im Dienste der Fortpflanzung – What the fuck?
Der Bundesverband Lebensrecht, der zum 13. Mal zu einem „Marsch für das Leben“ nach Berlin mobilisiert, steht für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und bezeichnet dies als „Lebensschutz“. Die Märsche, die jährlich in Annaberg-Bucholz, Berlin, Freiburg, Fulda, München und Münster stattfinden, sind dabei die wichtigste Aktionsform für die „LebensschützerInnen“. Die Zahl der TeilnehmerInnen des Berliner »Marsches« wuchs dabei in den letzten Jahren kontinuierlich an. Waren es 2008 noch weniger als 1000 Fundis, beteiligten sich letztes Jahr über 5.000 AbtreibungsgegnerInnen. Für dieses Jahr kündigen die OrganisatorInnen wieder knapp 30 Sonderbusse aus dem ganzen Bundesgebiet an. Prominente Politiker_innen etablierter Parteien bekunden offen ihre Unterstützung für die Ziele der „LebensschützerInnen“, offenbar ohne dabei Kritik fürchten zu müssen. Grußworte beigesteuert haben 2014 neben dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder auch der ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Kern der Argumentation der „LebensschützerInnen“ ist die Gleichsetzung von befruchteter Eizelle und Kind. Ein Schwangerschaftsabbruch wird somit zur „vorgeburtliche Kindstötung“, die bestraft und verboten werden soll. Diese Gleichsetzung von Embryo und Kind ist dabei eine sehr wirksame soziale Konstruktion, bei der dem Leben und den Interessen der FLTI* das Leben und die Interessen des ungeborenen „Kindes“ gegenübergestellt werden. Einer befruchteten Eizelle werden dabei alle möglichen Eigenschaften sowie ein eigener Lebenswille zugesprochen. Aus diesen Gedanken heraus erscheinen den Abtreibungsgegner_innen alle Schwangerschaftsabbrüche als „Massenmord am ungeborenen Leben“.

Die meisten der AbtreibungsgegnerInnen sind christliche FundamentalistInnen. Sie kämpfen für eine Gesellschaft, die auf der bürgerlichen Kleinfamilie, Zweigeschlechtlichkeit, Trans*feindlichkeit, einer strengen Sexualmoral, einem Verbot von Homosexualität und auf „Schicksals“-und Obrigkeitsergebenheit beruht. In der Argumentation der FundamentalistInnen ist ein Embryo vor allem deshalb so wertvoll, weil er ein Segen Gottes ist. Das Leben generell steht für die „LebensschützerInnen“ im Dienste Gottes, nicht nur das des Embryos, sondern auch das der Schwangeren, welche ihre Interessen einem göttlichen Plan unterordnen soll.

Mit der Berufung auf „altbewährte“ Normen bieten die „LebensschützerInnen“ dabei eine einfache Antwort auf die Verunsicherungen u.a. des kapitalistischen Alltags, die insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise laut werden und die der bürgerlichen Gesellschaft des Kapitalismus aufgrund seiner Zwänge und Widersprüche innerlich sind. Dahinter stecken vermeintliche Ängste vor dem Verlust des eigenen Lebensstandards, die sich in der Abneigung von allem „Neuen“ äußern, zum Beispiel in der Aufweichung des traditionellen Familienmodells oder auch einer sogenannten  „Überfremdung“ durch Geflüchtete. Ihre Vorstellungen von Familie und Sexualität stützen sich dabei auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen, deren Kern die weiße heterosexuelle Kleinfamilie und der Ausschluss aller Abweichungen von dieser sind.

Familie als Keimzelle der Nation – What the fuck?
Die Sehnsucht nach rückwärtsgewandten Lebensentwürfen als stabilisierende Koordinaten kommt  in der Ablehnung vermeintlich schädlicher Folgen von Modernisierung und Individualisierung zum Ausdruck, beispielsweise in den Debatten um „Genderismus“ der sogenannten „Besorgten Eltern“ und in deren Externalisierung auf ‘Fremdes’. Der „Marsch für das Leben“ ist ein Ausdruck dieser reaktionären gesellschaftlichen Debatten. Im Zuge zunehmender rechtspopulistischer Mobilisierungen in Europa können sich die christlichen FundamentalistInnen mit ihren Positionen einer wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz sicher sein. Der Marsch hat damit über das Spektrum des christlichen Fundamentalismus hinaus Bedeutung als ein breites Sammelbecken reaktionärer, nationalistischer und völkischer Positionen und politischer Kräfte.

Nicht erstaunlich, zeigen sich ihre Argumentationen doch immer wieder offen und anschlussfähig gegenüber nationalistischen und rassistischen Argumentationen. Während das Selbstbestimmungsrecht von FLTI* in der christlichen Rhetorik dem vermeintlichen Dienst an Gott untergeordnet wird, sind es eben auch Volk und Nation, denen sie als „Mütter“ zu dienen haben. So formuliert die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry: „Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“ Sie bedient damit eine zentrale Argumentation sowohl der „Lebensschutz“-Bewegung als auch der Neuen Rechten, die beide in völkisch-nationalistischer Manier die Hebung der ‘deutschen’ Geburtenrate zur Lösung der demografischen Krise fordern. Personen der organisierten „Lebensschutz“-Bewegung sind politisch  mit reaktionären und konservativen Parteien und Organisationen bestens vernetzt. So sind beispielsweise auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière oder die Europaparlaments-abgeordnete  der AFD Beatrix von Storch gern gesehene Gäste auf den Veranstaltungen der fundamentalistischen ChristInnen und anderer „Lebensschutz“-Organisationen. Über das Thema vernetzen sie sich auch mit der Neuen und radikalen Rechten. Dies zeigen beispielsweise Interviews des Vorsitzenden der BVL, Martin Lohmann, in Zeitschriften wie der  „Jungen Freiheit“und dem Magazin „Compact“. Besonders zynisch wird ein nationalistischer „Lebensschutz“ in Anbetracht des politischen Tagesgeschehens, in dessen Folge durch Abschottung und Austerität an Europas Außengrenzen und seiner Peripherie tausende Menschen verelendet werden und sterben.

Christlicher Fundamentalismus und Abtreibungsverbot – What the fuck?
Weltweit sind Abtreibungs- und andere reproduktive Rechte umkämpft, von deren Einschränkungen vor allem FLTI* betroffen sind. Nach wie vor sterben weltweit jährlich mehrere zehntausend FLTI* an nicht korrekt durchgeführten – weil illegalisierten –Schwangerschaftsabbrüchen. Anders als oft angenommen gilt eine Abtreibung auch in Deutschland gemäß §218 Strafgesetzbuch weiterhin als Straftat, die nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei bleibt. Wer abtreiben will, muss sich zwangsweise von staatlich anerkannten Stellen beraten lassen und danach drei Tage warten, bevor der Eingriff vorgenommen wird. Diese Regelung bedeutet eine staatlich institutionalisierte Entmündigung von FLTI*, die nicht selbst über ihren Körper und ihre Lebensplanung entscheiden dürfen. Die Beratung und Abtreibung muss in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft geschehen – es sei denn, es wird eine „Gefahr für die psychische und physische Gesundheit“ der schwangeren Person festgestellt.

Andererseits sind aber „Schädigungen“ des Fötus, die in vorgeburtlichen Untersuchungen festgestellt werden, oft der eigentliche Grund für einen Abbruch nach der zwölften Woche. FLTI* werden zunehmend für die „Gesundheit“ und „Qualität“ ihres Nachwuchses zur Verantwortung gezogen und zu solchen Untersuchungen gedrängt. Dass sie ein Recht auf Nichtwissen haben, wird meist nicht erwähnt. Ein Gen-Test mit dem Blut der schwangeren Person auf Trisomie 21 („Down-Syndrom“) wurde 2013 auf dem deutschen Markt zugelassen. Der Druck auf Schwangere zur Selektion ist Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die mit rassistischen, ableistischen (behindertenfeindlichen) und sexistischen Normvorstellungen aufrechterhalten wird.

Auffallend ist, dass in der Lebensschutz-Bewegung zunehmend nicht mehr nur die Kritik an Schwangerschaftsabbrüchen laut wird, sondern darüber hinaus auch vermehrt als Kritik am Selbstbestimmungs-Begriff. Insbesondere im Zusammenhang mit den Diskussionen um Sterbehilfe, Pränataler Diagnostik und Präimplantationsdiagnostik deklariert die Lebensschutz-Bewegung die Kritik an der Selbstbestimmung als ihr Thema. Diese auch berechtigte Kritik am Begriff der Selbstbestimmung und den Verfahren vorgeburtlichen Diagnostik greift die Lebensschutzbewegung in Form einer Selektionskritik im Namen Gottes auf. Hierbei inszenieren sie sich, trotz jahrzehntelanger Selbstorganisation von Menschen mit Behinderung, als rettende und legitime HelferInnen. Selbstbestimmung wird darin kritisiert, weil in ihr die Gefahr einer Emanzipation von Gott lauert. Dabei sollen nicht die lebenden Menschen entscheiden, wann sie sterben wollen oder ob sie Schwangerschaften austragen, sondern Gott.

Eine kritische emanzipatorische Perspektive am Konzept der Selbstbestimmung im Kontext der kapitalistischen Verhältnisse sieht jedoch anders aus. Selbstbestimmung im Kapitalismus  bedeutet oft eine permanente Leistungsbereitschaft, Selbstoptimierung und Dauerverwertung. Selbstbestimmung muss trotz aller Widersprüchlichkeiten dennoch eine wichtige Forderung queerfeministischer Kämpfe bleiben. Denn wo weiße deutsche cis*-Frauen überlegen können, inwiefern ihre selbstbestimmten Entscheidungen für oder gegen eine Schwangerschaft ideologisch aufgeladen sind, haben eine solche Möglichkeit nicht alle FLTI*. Das gilt beispielsweise in Deutschland sowohl für illegalisierte FLTI* als auch für Trans* und Inter*Personen, die mit weitaus höheren pathologisierenden medizinischen Barrieren rechnen müssen, sofern sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.

Unsere Antwort: Sabotieren, Demonstrieren, Blockieren!
Auch wenn sich die „LebenschützerInnen“ oft als harmlose Gläubige darstellen, sind sie das keineswegs. Im Gegenteil: Reaktionärer Fundamentalismus ist eine reale Gefahr. Er ist es als christlich fundamentalistische „Lebensschutz“-Bewegung und er ist es als reaktionäre Bewegung von Rechtspopulist_innen und Rechtsradikalen. So bedrängen „LebensschützerInnen“ regelmäßig FLTI* mit Horrorbildern von Abtreibungen im Rahmen von weltweit praktizierten “Gehsteigberatungen”. Insbesondere in den USA kommt es hier vermehrt zu körperlichen Angriffen auf FLTI* oder auf entsprechende Kliniken.

Ihr Einfluss in Gesellschaft, Medien und Parlamenten wächst. Die EU-weite Petition der Bürgerinitiative „One of us“ erreichte mehr als 1,8 Millionen Unterschriften. Darin wird u.a. gefordert, dass Entwicklungshilfeorganisationen, die FLTI* den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gewährleisten, die finanziellen Mittel gestrichen werden. Durch Aktionen wie den “Marsch für das Leben” versuchen sie ihre Positionen weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und zu stärken. Das werden wir nicht zulassen! Wir müssen den „Marsch für das Leben“ als das verstehen, was er ist: Keine harmlose Prozession von Christ_innen, sondern ein direkter Angriff auf die sexuelle und körperliche Selbstbestimmung von FLTI*s und allen Menschen, die sich keinem reaktionären, nationalistischen und rassistischen Gesellschaftsbild beugen wollen! Diesem Angriff werden wir uns entschlossen entgegenstellen! Deshalb rufen wir dazu auf, sich an unserer feministischen und antifaschistischen Demonstration zu beteiligen und anschließend den “Marsch” der FundamentalistInnen zu blockieren und zu sabotieren!

Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der weder religiöse Moralvorstellungen, gesellschaftliche Normierungen noch staatliche Zugriffe über das Leben und den Körper von Menschen bestimmen.
FLTI* sollen auf Grund eines Schwangerschaftsabbruches weder gesundheitliche noch rechtliche oder wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen. Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft soll ohne Eingriff oder Belehrungen des Staates und ohne Angst vor moralischer Verurteilung möglich sein. Dazu gehört auch der Zugang zu Verhütungsmitteln wie der Pille danach. Um die Rahmenbedingungen für eine weitreichende Selbstbestimmung über den eigenen Körper herzustellen, muss Abtreibung legalisiert werden. Wir wollen eine Gesellschaft, in der eine „Behinderung“ kein Problem oder Mangel darstellt und nicht als medizinisches Argument für Schwangerschaftsabbrüche angebracht wird. Kein Mensch soll sich aus einer gesellschaftlichen Verwertungslogik heraus „verpflichtet“ fühlen abzutreiben, weil eine Behinderung des späteren Kindes wahrscheinlich erscheint. Wir fordern eine Gesellschaft, in der sexuelle Selbstbestimmung und unterschiedliche sexuelle Lebensweisen gleichberechtigt anerkannt werden. Wir fordern eine Gesellschaft ohne Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Nationalismus und Volk. Wir kämpfen für eine emanzipatorische Praxis von Selbstbestimmung, die sich nicht in kapitalistischen Verwertungslogiken verirrt und nur jenseits von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen funktionieren kann.

Antifaschistische und queerfeministische Demonstration: 19. September 2015, 11 Uhr, S Anhalter Bahnhof (Bahnhof verfügt über einen Fahrstuhl)

Kein al-Quds-Tag in Berlin! gegen den Kampftag der antisemitischen Internationalen!

11220912_1606995752892501_7673851545542346423_n

 

Im Rahmen der Initiative gegen jeden Antisemitismus Göttingen (https://initiativegegenjedenantisemitismus.wordpress.com) mobilisieren wir am Samstag, den 11.07.2015 aus Göttingen nach Berlin zur Gegenkundgebung gegen den Al-Quds Tag.Wir unterstützen den Aufruf der Genoss_Innen des Schall und Wahn Bündnisses, den ihr hier nachlesen könnt: http://schallundwahn.blogsport.eu/aufruf/

Tickets für die Busfahrt nach Berlin können im Roten Buchladen und im Cafe Kollektiv Kabale für einen Zehner erwerbt werden. Der Bus startet um 06.30 h vom Zoologischen Institut in Göttingen und fährt gegen 17.00 h aus Berlin zurück.

 

Das antifaschistische Berliner Bündnis gegen den Al Quds Tag hat schonmal eine Karte online gestellt auf der alle wichtigen Informationen wie EA-Nummer, Start- und Endpunkt der Demo(s) und die Kundgebungsorte verzeichnet sind!

 

Karte_noalquds

auf deren Seite findet ihr auch alle wichtigen updates für Samstag!

http://noalquds.blogsport.de/

Nazi-Aktivitäten und -Übergriffe in Bitterfeld

Seit über einem Monat kommt es in Sachsen Anhalt zu einer Vielzahl an Übergriffen auf Jugendliche, auf Wohnhäuser und Wohnprojekte, sowie dem Alternativen Kulturwerk AKW durch Neo-Nazis. Dies lässt sich vermutlich auch auf die Agitationen von Maik Mosebach und Marie Lusie Süß Lindert zurückführen, die einen örtlichen „Stützpunkt“ der NS-Partei „Dritter Weg“ gegründet haben. Im Antifaschistischen Infoblatt ist ein Artikel mit aufschlußreichen Hintergrundinformationen zur rechten Szene in Sachsen Anhalt erschienen. https://www.antifainfoblatt.de/artikel/bitterfeld-und-seine-neonazikader
Am 10.05. gab es anlässlich der rechten Mobilisierungen und der Vielzahl der Übergriffe eine bundesweite antifaschistische Demonstration in Bitterfeld. Den Aufruf zur Demo findet ihr hier: http://focusthefacts.blogsport.de/

Wir halten die momentanen Zustände in Bitterfeld und Sachsen Anhalt für besorgniserregend. Helft uns, auf die unerträglichen Geschehnisse vor Ort aufmerksam zu machen und seid selbst aufmerksam! Über Unterstützung aller Art sind die Genoss_Innen sehr dankbar.

Solidarität mit den Genoss_Innen in Bitterfeld!
Linke Politik verteidigen!